Auch Unternehmen sollen länger besser leben

Expertenberatung und hohe Steuervorteile für betriebliche Gesundheitsförderung in Obernkirchen  

OBERNKIRCHEN. In der „Länger besser leben”-Stadt gehen jetzt auch die Unternehmen an den Start. Nachdem die Auswertung der laufend aus den Privathaushalten eintreffenden Fragebogen begonnen hat, sprechen die Experten der BKK24 parallel dazu mit den ersten Firmenchefs über Ideen zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Bereits dabei sind neben anderen Betrieben Sparkasse und Ardagh Glass.

Was derzeit in Obernkirchen Formen annimmt, basiert auf Europas größter Studie über den Zusammenhang zwischen Gesundheitsverhalten und Lebenserwartung. Führende Wissenschaftler haben einfache Regeln aufgestellt, deren richtige Umsetzung die Lebensuhr um bis zu 14 Jahre weiter dreht. In der Praxis reichen die bisherigen Programme der Krankenkassen für die Vorsorge allerdings nicht aus, weil sie nur einen zu geringen Teil der Versicherten motivieren. Deshalb kooperieren Stadt Obernkirchen und BKK24 unter anderem mit Vereinen, der Gastronomie und dem Handel. Ihr Ziel: Für jeden Einwohner Angebote zu schaffen, die Spaß und gesundheitsbewusstes Verhalten miteinander kombinieren.

Einen besonderen wirtschaftlichen Nutzen können und sollen die Unternehmen in der „Länger besser leben”-Stadt haben. Es ist nicht nur nachgewiesen, dass betriebliche Gesundheitsförderung Krankenstände senkt sowie die Leistungsbereitschaft und Produktivität erhöht. Vielmehr hat der Gesetzgeber auch ganz erstaunliche steuerliche Vorteile geschaffen. Barzuschüsse und Sachleistungen von bis zu 500 Euro pro Jahr und Mitarbeiter sind lohnsteuer- und beitragsfrei, wenn sie zielgerichtet ausgegeben werden. Dazu zählen Maßnahmen zur gesunden Ernährung während der Arbeitszeit, zum Stressabbau, zur Einschränkung des Suchtmittelkonsums und natürlich für angemessene Bewegung. Vor diesem Hintergrund haben die Experten der BKK24 bereits in etlichen Unternehmen Starthilfe gleistet, vom Nichtraucherkurs über Angebote zur Rückengymnastik bis zur Gründung regelmäßiger Walking- oder Lauftreffs. Wie erfolgreich das ist, belegen inzwischen Statistiken, in denen etwa die Zahl der Raucherinnen und Raucher vor und nach Beginn einer Maßnahme ausgewiesen ist.

Was aber machen kleinere Betriebe, wie zum Beispiel das Handwerk oder der Handel, für die große Gesundheitsförderungsprogramme nicht infrage kommen? „Für zwei Kollegen mit Kreuzschmerzen eine Rückenschule im Betrieb anzubieten ist natürlich unrealistisch”, weiß BKK24 Vorstand Friedrich Schütte. Doch genau hier – und damit diese Firmen auf die Steuervorteile nicht verzichten müssen – greift das neue Netzwerk der „Länger besser leben”-Stadt. „Auf Sicht werden wir mit unseren Partnern die Voraussetzungen schaffen, um Mitarbeiter mehrerer Kleinunternehmen in gemeinsamen Kursen zusammenzuführen.” Das bringe nicht nur das gewollte Plus an Gesundheit, sondern auch Spaß am Gemeinschaftserlebnis und neue Kontakte, prophezeit Schütte. Nicht zuletzt können sich auch die Vereine und privaten Anbieter solcher Kurse Hoffnung auf neue Mitglieder und mehr Kundeninteresse machen.

Der Vorstand und Bürgermeister Oliver Schäfer bleiben trotz der bestechenden Vorteile für Unternehmen jeder Größe realistisch. Aus ihren Erfahrungen weiß die Kasse, dass die Motivation der kleinsten Betriebe den größten Aufwand macht. „Wir hoffen darauf, dass sich jetzt auch die Handwerker, der Handel und andere personell weniger starke Unternehmen bei uns melden”, fordert Schütte auf. Bürgermeister Schäfer setzt dabei auf den Schneeballeffekt: „Wenn die Mitarbeiter gemeinsam mit ihren Chefs die Fragebogen ausfüllen und abgeben, sind sie ebenso wie die Großbetriebe dabei.”

Koordiniert werden Beratung und Unterstützung bei der betrieblichen Gesundheitsförderung von Bianca Schäfer im Aktionsbüro der „Länger besser leben”-Stadt. Sie ist zu erreichen unter Telefon 05724 971-217 oder per eMail unter aktionsbuero@bkk24.de. Mehr Infos dazu stehen auch im Internet unter www.LBL-Stadt.de.

Fragebogen
In der „Länger besser leben”-Stadt gibt es Gesundheitsförderung nicht nur für große Firmen: Auch Kleinunternehmer und Handwerker wie Ralf Semler, der in Obernkirchen einen Hausmeisterservice betreibt, können die Werkzeugkiste in Zukunft öfter gegen die Sporttasche tauschen.
Ralf Semler auf dem Weg zu einem Arbeitseinsatz