Die Gesundheitspartner geben Vollgas

„Länger besser leben”-Konferenz stellt Weichen für neue Kursangebote und Aktivitäten in 2012

OBERNKIRCHEN. Das rund 20 Prozent aller Teilnehmer am „Länger besser leben”-Programm von BKK24 und Stadtverwaltung älter als 66 Jahre sind, mag zwar zur Alterspyramide innerhalb der Bevölkerung von Obernkirchen passen. Doch nach ersten Einschätzungen haben vor allem diejenigen den Fragebogen ausgefüllt, die sich ohnehin aktiv um ihre Gesundheit kümmern. Dies ist eine der Kernaussagen der ersten „Länger besser leben”-Konferenz, die wenige Monate nach dem offiziellen Start des Pilotprojektes zur Information der Netzwerkpartner und zur Planung weiterer Maßnahmen einberufen wurde.

Bis Ende Januar wurden 426 Fragebogen ausgefüllt, darunter der überwiegende Teil von der Altersgruppe zwischen 46 und 75 Jahren. Experten der BKK24 hatten die Auswertungen mit der Summe aller Teilnehmer an ihrem bundesweit laufenden „14 Jahre länger leben”-Programm verglichen und die größten Abweichungen beim so genannten Body Mass Index festgestellt. Nur bis zu einem Wert von 25 ist der BMI ein Indikator für Normalgewicht, danach beginnt bereits das übergewicht und ab dem Faktor 30 eine für die Gesundheit extrem bedenkliche Adipositas. Wegen der hohen Anzahl von Einwohnern mit zu vielen Kilos auf der Waage sehen die Experten der Krankenkasse in diesem Themenfeld einen besonderen Handlungsbedarf.

Noch nicht alle Zielgruppen erreicht
Sinngemäß bestätigte das auch Professor Stefan Razik von der Hochschule Weserbergland, die das Pilotprojekt in Obernkirchen wissenschaftlich begleitet. Zunächst sei es für die gezielte Planung von Gesundheitsangeboten entscheidend, dass möglichst noch viele weitere Teilnehmer dazukommen. Danach müsse man beobachten, ob sich durch die Aktivitäten in der „Länger besser leben”-Stadt das Gesundheitsverhalten tatsächlich verändert und die Kursangebote unter anderem der Vereine sowie anderer Leistungsträger ihre Wirkung zeigen. Als eines der Ziele für die Arbeit der kommenden Monate formulierte BKK24 Vorstand Friedrich Schütte: „Wir müssen auch die Frauen und Männer erreichen, die sich bisher noch nicht ausreichend um ihre Gesundheit kümmern.”

Monatlich exklusive LBL-Kursangebote
Vor diesem Hintergrund war die Planung von Kursangeboten und –terminen ein weiteres zentrales Thema. Einmal im Monat soll es künftig ein Top-Angebot nach dem Muster des vom Kneipp-Verein entwickelten „Länger besser leben”-Karussells geben. Dabei haben die Obernkirchener die Chance, an acht Wochenterminen in acht verschiedene Sportarten hineinzuschnuppern und so herauszufinden, was ihnen den meisten Spaß bringt. Solche exklusiv entwickelten Ideen werden unter www.LBL-Stadt.de im Internet sowie über die regionalen Medien engagiert beworben. Zwischen den Partnern im Gesundheitsnetzwerk wurde geklärt, wie Abstimmungsprozesse bei der Vorbereitung und Bewerbung von Veranstaltungen künftig funktionieren und sich Terminüberschneidungen vermeiden lassen.

Die „Länger besser leben”-Stadt, gestartet als das in Deutschland bisher umfassendste Pilotprojekt für die regionale Gesundheitsvorsorge, hat dennoch einen weiten Weg vor sich. Die bisherigen Teilnehmer repräsentieren zwar zusammen fast zehn Prozent aller Haushalte. Doch im Vergleich mit den bundesweiten Kennzahlen sind sie sportlich mehr als doppelt so engagiert und halten sich auch überdurchschnittlich oft an die Empfehlung zum Verzehr von fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag. Zahlen, die auch bei vorsichtiger Einschätzung darauf schließen lassen, dass die Initiative noch nicht ausreichend zu den Einwohnern vorgedrungen ist, denen man beim Thema Prävention einen besonderen Bedarf unterstellen kann.

Fest steht aber schon jetzt, dass die „Länger besser leben”-Stadt nach einem starken Start mit dem größten Gesundheitsspaziergang über 3.000 Schritte auch in 2012 weiter Gas geben wird. Unmittelbar nach der Konferenz kamen zwei Dutzend neue Angebote der Vereine zusätzlich zu dem bereits umfassenden Kursangebot im Terminkalender unter www.LBL-Stadt.de unmittelbar. Und die BKK24 plant zusammen mit ihren Partner schon an weiteren Veranstaltungshighlights für das laufende Jahr.

Guinness lehnt Rekordeintrag ab
Doch während Wissenschaftler und Politiker gemeinsam mit der Schirmherrin und früheren Gesundheitsministerin Ulla Schmidt gespannt auf diese Stadt schauen, dreht man ihr im fernen England den Rücken zu. Am Montag nach dem Partnertreffen verkündete die stolze Guinness World of Records per Mail aus London, dass man für den Rekordspaziergang am 16. Oktober keine neue Rubrik aufmachen wollte. Den größten Mann und die älteste Frau der Welt, die Meisterin im Masskrugtragen und die höchste Zahl an zerrissenen Telefonbüchern kann man dort also weiter besichtigen, vorerst aber nicht die gesündeste Stadt Deutschlands.