Wird das „Länger besser leben”-Projekt ausgeweitet?

Beirat sieht in 3.200 Teilnehmern erst den Anfang / Aktivitäten auch über Obernkirchen hinaus geplant

OBERNKIRCHEN. Experten der Gesundheits- und Sozialpolitik beobachten seit dem Startschuss im August vergangenen Jahres sehr genau die Aktivitäten in der „Länger besser leben”-Stadt. Was in Obernkirchen passiert, könnte die Lücke zwischen Präventionsmaßnahmen auf Bundesebene und den bisher meist von Krankenkassen getragenen Einzelmaßnahmen für Versicherte schließen. Ein jetzt formierter wissenschaftlicher Beirat soll das Projekt der BKK24 begleiten und die Fakten liefern, die aus der Studie im Schaumburger Land ein Modell für die zukünftige Gesundheitsvorsorge in der gesamten Bundesrepublik machen könnten. Erstmals diskutiert wurde auch die Möglichkeit einer Ausweitung des Projektes.

Hochkarätige Berater
Welchen Stellenwert die „Länger besser leben”-Stadt überregional genießt, zeigt nicht nur die Aufmerksamkeit führender Politiker, wie zum Beispiel von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und der früheren Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, sondern auch die hochkarätige Besetzung des Beirates. Einer der prominenten Namen ist der von Prof. Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Gesundheitsökonomie, Gesundheitspolitik und Versorgungsforschung der Universität Bremen. Norbert Paland ist dabei, Ministerialdirigent unter Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr und Klaus Vater, als früherer Pressechef des Ministeriums Bindeglied zu den überregionalen Medien und zu den Spitzen der Bundespolitik. Vom ersten Zusammentreffen an war es der Runde um BKK24 Vorstand Friedrich Schütte wichtig, belastbare Fakten über die Aktivitäten und Ergebnisse der „Länger besser leben”-Stadt zu liefern. Garanten dafür sind Prof. Dr. Bettina-Sophie Huck und Prof. Stefan Razik von der Hochschule Weserbergland, bei denen alle Daten und Fakten zusammenlaufen. Ihre Auswertungen werden entscheiden, ob das Beispiel Obernkirchen Maßstab für die künftige Vorsorgepolitik sein kann.

Mehr Aktionen in 2012
3.200 Frauen und Männer sind inzwischen Teilnehmer der Studie, die meisten davon aus Obernkirchen. Fast alle Vereine liefern immer attraktivere Angebote, damit vor allem Nicht-Sportler Spaß an mehr Bewegung bekommen. Größere Veranstaltungen, wie das Golfer- und Nichtgolfer-Turnier, Tennis-Training für Jedermann sowie eine Laufveranstaltung und regelmäßige Informationstage zum Beispiel in den Banken und Sparkassen sollen in diesem Jahr die Begeisterung bei allen Einwohnern wach halten. Sogar die Firmen sind bereits im Boot mit Planungen für Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung. „Die Kampagne ist auf einem sehr guten Weg”, kommentiert Klaus Vater, „gerade weil wir wissen, dass die Zahlen noch kräftig steigen werden.”

Die BKK24 selbst sieht sich zwar ihrem Ziel näher gekommen, Präventionsangebote nach dem tatsächlichen Bedarf einer Region zu planen. Doch Friedrich Schütte weiß, dass die weniger gesundheitsbewussten Teile der Bevölkerung nicht allein durch clever aufeinander abgestimmte Angebote zu erreichen sind. „Prävention in den Medien” war deshalb ein weiterer Tagesordnungspunkt der ersten Sitzung, zu dem es ebenfalls schon Erfolgsmeldungen gibt. So ist über die großartige Begleitung der Aktion durch die regionalen Presse hinaus ein Online-Gesundheitsportal entstanden, dass laufend nicht nur über die Angebote sondern auch die zentralen Themen der „Länger besser leben”-Stadt informiert: Gesunde Ernährung, angemessene Bewegung, Nikotin- und Alkoholkonsum. Auch die eigene Internetpräsenz unter der Adresse www.LBL-Stadt.de bieten tagesaktuelle Informationen und Veranstaltungshinweise.

Ausweitung wird diskutiert
Noch hinter verschlossenen Türen diskutierten die Beiratsmitglieder über einen weiteren Punkt, zu dem es schon in Kürze mehr Informationen geben soll. Getragen vom Erfolg der ersten Monate und den bisher gesammelten Erfahrungen prüft die BKK24 derzeit Möglichkeiten, die Programme und Angebote der „Länger besser leben”-Stadt über die Grenzen von Obernkirchen hinaus zu erweitern. Ob es die Aktion für die Einwohner zunächst einer weiteren Stadt oder sogar für den gesamten Landkreis geben könnte, wird vor einer endgültigen Entscheidung mit allen Beteiligten des Gesundheitsnetzwerkes geprüft.

Fragebogen
Die Zahlen werden weiter steigen: (v.l.) Ministerialdirigent Norbert Paland, Prof. Dr. Stefan Razik, Klaus Vater, Prof. Dr. Gerd Glaeske, Prof. Dr. Bettina-Sophie Huck und BKK24 Vorstand Friedrich Schütte stellen Weichen für die Zukunft.
Beirat der "Länger besser leben"-Aktion